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re:publica12 Rückblick Teil2

Hacking für den WeltfriedenHaupthalle der #rp12

In den letzten Wochen gab es eigentlich keinen TV-Beitrag einer Demonstration indem nicht die Maske, die an den Revoluzzer Guy Fawkes erinnern soll, auftauchte. Bevorzugte Träger dieser Maske sind die Mitglieder (oder Sympathisanten) der anonymen Protestbewegung „Anonymous“.

Viele Vorträge, insbesondere im netzpolitischen Kontext, knüpften an den Aktivitäten dieser Gruppierung an – mit streckenweise sehr kontroversen Meinungen.  Die Erkenntnis im Falle Anonymous war, dass es sich um keine Gruppierung oder Organisation, sondern um ein Label handelt. Jeder kann sich dieses Labels bedienen, um zum Beispiel anonym „geheime“ Dokumente zu posten. Hier liegt aber auch genau die Schwäche. Es gibt keine Hierarchie, keine Ansprechpartner und auch kein wirkliches Aufnahmeritual. Somit kann  das Label jederzeit infiltriert  werden und kann für jeden Schabernack genutzt werden, bis die Kontur des Labels verwischt und als unattraktiver Chaotenhaufen in die Außenwelt wirkt.

Auf der diesjährigen re:publica wurden  die Aktivisten zwar für ihr Engagement (vor allem zur Bekämpfung von ACTA) gelobt. Allerdings gab es auch Kritik gegenüber der ausgeübten Selbstjustiz von einigen Anonymous Aktivisten. Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) hat die destruktiven Aktionen (z. B. DDOS Attacken) bemängelt. Der Hacker Codex verfolgt das Ziel, alle Kommunikationsformen zu verteidigen und aufrecht zu erhalten, während solche Attacken die Kommunikationskanäle lähmt und auch wichtige Services, die nicht Teil des Ziels waren, mit beeinträchtigt.

Außerdem wissen die User, die sich an solchen Aktion relativ einfach beteiligen können (Softwaredownload reicht), oft nicht ausreichend um die Risiken. Ungefährer Oton auf der Podiumsdiskussion mit Jacob Appelbaum (Netzaktivist), Carolin Wiedemann (Anonymous  Forscherin) und Frank Rieger (CCC) war, dass wenn ein Aktivist auf die Straße geht und sich auf Gleisschienen setzt um einen Castor-Transport zu verhindern, er genau weiß was ihn erwartet (Wasserwerfer, verärgerte Polizisten und ggf. eine kurze Haftstrafe).

So hat der Aktivist auch seine Tätigkeit und sein Engagement geplant. Während nun durch einen Download eine bequeme Art von Aktivismus geschaffen wurde, die den User aber im Unklaren über die Konsequenzen lässt. Cyber-Terrorismus kann Haftstrafen von bis zu 10 Jahren nach sich ziehen, da sollte man schon ganz genau wissen was man da tut und wofür eigentlich – denn einen Codex (oder ethische Grunsätze) wie beim CCC sucht man bei Anonymous vergebens. Wer die Session gerne anschauen möchte, findet sie unter anderem auf SpOn.

Es gab aber auch noch andere Formen von Hacking, die auf der re:publica in entspannter Atmosphäre vorgestellt wurden. Das so genannte Life-Hacking beschreibt, wie sich das Leben durch Tricks und Kniffe vereinfacht oder gar ein lange ertragenes „Problem“ löst. So zum Beispiel die 3D-Drucker Fraktion. Durch die günstige Produktion von Plastikteilen, werden regelrechte Ideenströme losgetreten. Verbindung von Playmobil zur Legowelt, Ikea Möbel werden in Vollendung zusammengewürfelt und bekommen neue Teile – gar Dimensionen. Eine neue Welt am Zeigefinger und nur einen Mausklick entfernt.

Recht und Unrecht im Internet

Beim Thema „Recht im Internet“ kam man in allen Vorträgen an einem Wort nicht vorbei – dem Urheberrecht. Zum Schutz des geistigen Eigentums, irgendwie aus der Berner Übereinkunft 1908 abgeleitet und gefühlt seit dem nicht angepasst. Stimmt natürlich nicht. Es gab viele Reformen, die zunehmend die Nutzung von Marken, Ideen, Kunst, Texte, Bilder etc. regelt – privat und unternehmerisch.

Verurteilt wurde auf den meisten Bühnen die Kriminalisierung von privaten Usern.  Postings auf Facebook, Google+, Twitter und Co. müssen unter penibler Einhaltung der Gesetzeslage passieren – und das obwohl kein Geschäftszweck hinter den LOLCATS steckt.

Hier treffen zwei sehr verfahrene Welten aufeinander. Auf der einen Seite die Internetuser die meinen, dass durch Anmerkungen auf Bildern oder Tonänderungen bei Videos das Urheberecht ja nicht so richtig gelten kann und auf der anderen Seite die Produzenten, die Verdienstausfälle beklagen. Prügelknabe dieser Debatte (nicht ganz zu Unrecht) sind die Verwertungsgesellschaften wie GEMA oder GVL. Sie tragen weder zum Reichtum der Künstler bei, noch zur Schlichtung der Debatte. Eigentlich sind sie lachende Dritte – aber nun mal aktuell auch im Recht.

Die Frage die auf der re:publica nicht zum ersten Mal gestellt wurde: Wie kann die Gesetzeslage geändert werden, ohne das Prinzip des geistigen Eigentums aufzugeben, aber zeitgleich Nutzungsfreiräume für private Internetnutzer zu schaffen. In der Frage versteckt ist natürlich auch eine Diskussion um den schnöden Mammon. Muss Youtube als Anbieter einer Videoplattform Gema zahlen? Dürfen User nur gemafreie Musik nutzen? Was ist ein öffentliches Posting und was ist „privat“? Schwierige Fragen, die zeitnah geklärt werden müssen, damit Rechtssicherheit für Internetnutzer herrscht und der Abmahnkult von dubiosen Rechtsanwaltskanzleien gestoppt wird.

Ein Lichtblick war für mich der Auftritt des Telekom Hilft Teams. Hier zeigte ein großer Konzern, wie man mit Internetmenschen reden kann, auch ohne die Rechtskeule zu schwingen. Im konkreten Fall ging es um den „Fakeaccount“ telekom_hiIft (ein kleines und ein großes i machten es möglich). Der Account hat den Support der Telekom durch lustige Kommentare erschwert. Hier half ein wirklich gut geschriebener offener Brief an den Accountbesitzer.  Zwar nicht neu, für mich aber noch immer eines der besten Beispiele für gelungene Unternehmenskommunikation. Das re:publica Publikum empfand dies ähnlich und belohnte das Telekom Hilft Team mit einem herzlichen Empfang und viel Beifall.

Man sieht, wer nicht da war hat viel verpasst. Die re:publica 2012 war ein echter Quell des Wissens und erlaubte einen tiefen Einblick in die Subkultur der Internetszene. Daher gibt es auch noch einen weiteren Teil des #rp12 Rückblickes. Stay tuned.

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Investitionsschutz für Social Media Auftritte

Nicht erst seit gestern investieren Unternehmen teils absurde große Summen in ihre Social Media Präsenzen. Von der Wiederverwertungsmentalität der bestehenden Kampagnenmaterialien (wie häufig in den jungen Tagen des Web 2.0 praktiziert) ist kaum noch die Spur. Aufwendige Sonderproduktionen und maßgeschneiderte Konzepte, sind für die einzelnen Social Media Kanäle quasi Standard.

Warum auch nicht: die neuen Medien bieten innovative Werbemöglichkeiten, mit interaktiven Inhalten für Kunden und sind eine willkommene Abwechslung in der Werbe-Dauerbeschallung (für Werber und Kunden!). Klingt nach einer echten Win-Win Situation.

Ohne Haken geht es leider auch bei den neuen Medien nicht: Unternehmen die um Social Media Plattformen herum kreative Präsenzen aufbauen möchten, müssen sich immer im Klaren sein, dass Morgen alles anders sein kann. Die Plattformen wie Facebook, GooglePlus und Co, sind durch Konkurrenzkampf, eine natürliche Innovationsfreude und auch wegen der aktiven Userbasis, immer im Zugzwang sich weiterzuentwickeln oder gar neu zu erfinden.

Aktuelles Beispiel: Facebook Fanpages. Mit den neuen User-Profilen in Form der Chronik (Englisch auch Timeline genannt), kam kurze Zeit später auch für Unternehmen die neue Darstellungsform.  Was trivial klingt, hatte große Auswirkungen. Die Startseite der Profile hat sich grundlegend geändert. Interaktive (selbstprogrammierte Inhalte), wurden von dem prominenten Platz auf der Startseite, in eine neue Sektion namens „Apps“ verbannt und sind somit nicht mehr so einfach aufzufinden. Auch das klassische Prinzip <<Erst auf den Gefällt-Mir-Button klicken, um an Inhalte zu kommen>>, stirbt mit der neuen Darstellungsform.

Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Viele hundert Seiten Richtlinien auf den Plattformen bilden Stolperfallen für teilnehmende Unternehmen. Einmal nicht aufgepasst, kann die mühsam aufgebaute Seite mit vielen Fans für immer verloren sein. Der fade Beigeschmack des Hausrechts eben.

Aus den Social Media Kindergärten ohne Geschäftsmodell sind Unternehmen geworden. Als solche tragen Sie aber auch Verantwortung. Nicht nur den Nutzern, sondern auch ihren Kunden gegenüber. Denn wenn in Punkto Investitionsschutz nicht bald nachgebessert wird, haben die Unternehmen künftig keine Lust mehr die Party der anderen zu zahlen.

tl;dr Social Media Plattformen müssen künftig professioneller mit dem Innovationsmanagement und den Entwicklungszyklen umgehen. Dabei müssen getätigte Investitionen der Kunden geschützt werden und Änderungen transparent und mit genügend Anlaufzeit bekannt gegeben werden. Die Zeiten wo munter täglich aus der Hüfte geschossen werden konnte, neigen sich dem Ende zu.

Recruiting 2.0 – die 10 Schritte zur kreativen Personalsuche

Bild einer Zeitungsannonce „Gutes Personal ist schwer zu finden“

Der Spruch ist zwar alt, gilt heute aber mehr denn je. Eine Stelle mit einer qualifizierten Fachkraft zu besetzten, grenzt in manchen Unternehmen an Unmöglichkeit. Kein Wunder; McKinsey sagt in einer aktuellen Studie*, dass bis zum Jahr 2025 ungefähr 6.5 Millionen Fachkräfte fehlen (alleine ca. 2.5 Millionen Akademiker). In Zeiten von Digital Natives und der Generation Y, wird eine Zeitungsannonce niemand mehr hinter dem Ofen hervor locken. Es bedarf also kreativen Methoden bei der Personalsuche und der proaktiven Imagepflege der Arbeitgebermarke für potentielle Bewerber.

Die Unternehmen fangen daher an, die Personalsuche auf die sozialen Medien auszudehnen. In Verbindung mit Employer Branding für den Image-Part (siehe auch „Was ist eigentlich dieses Employer Branding“) tritt das neue Modewort für Personalsuche „Recruiting“ vermehrt mit dem frischen Zusatz 2.0 auf. Keine Sorge, dass 2.0 steht lediglich für das Wechseln des Mediums und nicht für eine Revolution in der Vorgehensweise. Wie es allerdings bei einem Medium-Wechsel üblich ist, verändern sich die Rahmenbedingungen und Spielregeln. Daher gibt es heute, den bei mir häufig gewünschten 10 Punkte Marshallplan für eine erfolgreiche Recruiting 2.0 Kampagne im Social Web:

1. Ist-Analyse durchführen und in ein aktuelles Selbstbild überführen (was ist die aktuelle Unternehmenskultur, Philosophie etc.)

2. Sollzustand definieren und ein Wunschselbstbild formulieren (die Mitte zwischen Ist und Soll dient als Grundlage für die Außendarstellung)

1 + 2 sind auch die Einstiegshausaufgaben für das Employer Branding, müssen aber für eine erfolgreiche Recruiting 2.0 Kampagne bewältigt werden. Wenn man mit dem aktuellen (oft undefinierten und unscharfen) Selbstbild in die digitale Sphäre herausgeht, fehlen häufig die visionären Ansätze und der Blick in die Zukunft, die für Young Professionals und junge Leute besonders wichtig sind. Diese Hausaufgabe muss „leider“ vom Top-Management erledigt werden, da die für die Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich sind. Das bremst leider Recruiting 2.0 vom Quickwin zu einer langfristigen Maßnahme, lohnt sich aber hinten heraus, wenn sich gleich die richtigen Kandidaten bewerben.

3. Zielgruppe definieren und optimaler Weise nach Qualifikationen und Bereichen abgrenzen. Brauch ich studierte Controller oder Informatik Azubis?

4. Plattform/en für die Kampagne wählen. Das fällt nach Schritt 3 nicht sonderlich schwer. Xing, Facebook, Linkedin – die Präferenz bildet sich schnell.

Wer die Aufgaben 3 + 4 übernimmt ist leider nicht so klar. Auch eine Empfehlung ist schwer, hier kommt es etwas auf die Unternehmensstruktur an. Denkbar ist eine Kombination aus Marketing und HR in Kooperation. Hier ist etwas Geduld gefordert, weil dies meist keine natürliche oder etablierte Kommunikationsschnittstelle im Unternehmen ist.

5. Short Term Efforts definieren (was möchte ich kurzfristig erreichen?)

6. Long Term Efforts definieren (was ist meine langfristige Strategie mit der Präsenz?)

7. Reichweiten
gemäß 5+6 auf den (in Punkt 4 ausgewählten) Plattformen aufbauen. Das ist ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag. Falls Sie schnell und kurzfristig Reichweite brauchen, können Sie ein iPad verlosen. Klingt profan, funktioniert (kurzfristig) aber. Achten Sie dabei unbedingt auf die Nutzungsbedingungen für Gewinnspiele auf den Plattformen. Bei Missachtung droht die rote Karte auf der Plattform für Ihre Präsenz.

Für die Punkte 5+6+7 würde ich die Hilfe eines Kommunikationsexperten / Social Media Eingeweihten oder Marketingler empfehlen, der eng mit der Personalabteilung zusammen arbeitet.

8. Kampagne starten (die Suche beginnt)

9. Auswertung und Tracking (Controlling-Tools im Social Media Umfeld sind komplex und noch recht neu, auch das Thema beschreibe ich bald noch in einen separaten Blogeintrag)

10.Lerneffekte Dokumentieren (LessonsLearned)

Die Punkte 8+9+10 gehören zum klassischen Kampagnen-Handwerkszeug der Marketingler und muss nur rechtzeitig mit den Ressourcen besprochen und geplant werden (am besten wenn der Jahres-Marketingplan aufgestellt wird).

Was hier zum Teil in Stichworten aufgeführt ist, klingt vielleicht leicht und trivial, doch kann das Ergebnis ein sehr komplexer unternehmerischer Prozess sein, der angestroßen wird und betreut werden muss. Falls Sie also Fragen zu einzelnen Punkten haben oder  mehr über die Thematik erfahren möchten, schreiben Sie  doch einen Kommentar. Ansonsten wünsche ich viel Erfolg bei Ihrer Recruiting 2.0 Kampagne.

Bild: Paul-Georg Meister /Pixelio
*Das PDF zur Studie kann hier heruntergeladen werden

Social Media und die ungeliebten Aufgaben

Wer nun glaubt, dass die ungeliebten Aufgaben im Bereich des digitalen Marketings primär aus betteln um Content, in 140 Zeichen Teasern oder dem denglischen Kauderwelsch bestehen, der hat sich geschnitten.

Das klassische Marketing steht vor einer noch nicht ganz offensichtlichen Revolution. Die Säulen des Marketings sind bzw. waren, unter der taktvorgebenden strategischen Komponente, die bekannten „P“s (Product, Price, Promotion und Placement). So zumindest in der Theorie. Bildlich gesprochen sollte es also so aussehen:

Die vier Säulen des Marketing

In der Unternehmenspraxis übernimmt (meist historisch gewachsen) eines der P‘s die strategische Federführung und diktiert den anderen P’s somit das Tagesgeschäft. Häufig ist es das P, welches eine besonders gewichtige Bedeutung für das Unternehmen hat (je nach Vertriebsmodell, Produktart, Preissegment etc.).

Als Teildisziplin der Promotion hat Social Media und digitales Marketing seit kurzem einen starken Fokus und viel Gehör im Management bekommen. Das führt dazu, dass diese kleine Teildisziplin zunehmend die strategische Federführung übernimmt und das nicht nur im Marketing.

Kundservice, Recruiting und Vertrieb, alle wollen dabei sein. Alle Abteilungen möchten von dieser kleinen Niesche im Marketing an die Hand genommen werden und durch das soziale Dickicht geführt werden. Das Social Media aktuell von einem Praktikanten bedient wird, ist zu vernachlässigen – wir müssen aktiv werden!

Dabei wollen Unternehmensprozesse, die schon Jahre nicht funktionieren, nebenbei noch revolutioniert und optimiert werden. Zielkonflikte müssen auf Management-Ebene ausgefochten werden, Portfoliofragen beantwortet und strategische Marschrichtungen entlang der Wertschöpfungskette definiert werden. Das alles getrieben von dem Drang eine Facebook-Seite zu eröffnen?

Kein Wunder, dass viele Unternehmen den einfachen Weg beschreiten und erst mal die Fahne auf den Sozialen Medien hissen. Wir sind jetzt da, wo ist die Fanbase?

Dann das Tal der Tränen. Nach 3 Monate nur 10 Fans (Mitarbeiter) und das nach fleißigem schreiben (2 Posts). Die Kampagne ist nicht angelaufen, Bewerber bleiben aus und kein Kunde wollte Support. Social Media funktioniert gar nicht und was ist eigentlich der ROI?

Der richtige Weg, der der zum Social Media Erfolg führt wie ihn schon einige Unternehmen feiern durften, der führt durch Management-Meetings, Prozessanalysen, Verantwortlichkeiten und vor allem dem einheitlichen Verständnis es zu wollen. Eben die ungeliebten Aufgaben 😉

Was ist eigentlich dieses Employer Branding?

7. November 2011 3 Kommentare

Keine Sorge, hier werden keine Angestellten verbrannt. Es handelt sich hierbei um…ach was soll ich es beschreiben, wenn es schon 2007 von der DEBA (Deutsche Employer Branding Akademie) definiert wurde:

„Employer Branding ist die identitätsbasierte, intern wie extern wirksame Entwicklung und Positionierung eines Unternehmens als glaubwürdiger und attraktiver Arbeitgeber.

Kern des Employer Brandings ist immer eine die Unternehmensmarke spezifizierende oder adaptierende Arbeitgebermarkenstrategie. Entwicklung, Umsetzung und Messung dieser Strategie zielen unmittelbar auf die nachhaltige Optimierung von Mitarbeitergewinnung, Mitarbeiterbindung, Leistungsbereitschaft und Unternehmenskultur sowie die Verbesserung des Unternehmensimages. Mittelbar steigert Employer Branding außerdem Geschäftsergebnis sowie Markenwert.“

*Quelle: DEBA 2006, Fassung vom 14. April 2007

Es handelt sich also um den Prozess der Markenbildung (Branding). Jedoch nicht mit dem klassischen Ziel der Absatzsteigerung, bedingt durch zum Beispiel eine Präferenzbildung am POS (Point of Sale). Sondern um eine Art von Branding, die den Präferenzeffekt in den HR Bereich (zum Beispiel dem Recruiting) transferiert. Warum zum Beispiel? Weil es beim Employer Branding nicht nur um Recruitment zugewandte Maßnahmen geht, sondern auch um Mitarbeiterbindung, Ausbau oder Veränderung der Unternehmenskultur und sogar um Beeinflussung von Performance-Kennzahlen.

Bevor jedoch die direkte Beeinflussung der Employer Branding Maßnahmen den Perfomance-Kennzahlen wie Krankheitsstand, Output-Qualität oder Führungsaufwand eindeutig zugwiesen werden kann, wird sich die Wirtschaft auf eine einheitliche Formel zum errechnen des ROI von Social Media einigen. Also irgendwann 2043 :-).

Warum betreiben Unternehmen diesen Aufwand?

Es geht darum ein Ungleichgewicht im Markt zu überbrücken. Wie in allen Märkten können durch Angebot und Nachfrage die Kräfte verschoben werden und so Anbieter- bzw. Nachfragemärkte entstehen. Durch den demographischen Wandel und den Fachkräftemangel angeheizt, werden Unternehmen schon bald einen hitzigen Wettbewerb um die besten Mitarbeiter erleben. Wie für jede gute Wettbewerbsschlacht gilt auch hier, Vorbereitung ist die halbe Miete. Also werden die Waffen gewetzt und schon mal pauschal mit den Säbeln gerasselt. Aber was sind die bezahlbaren Waffen im Kampf um Young Professionals? Aufwändig inszenierte Webespots und umfassende Image-Kampagnen wird sich der Mittelstand kaum leisten können – Ingenieure und Controller braucht der Mittelstand trotzdem.

Also werden künftig in Guerilla-Manier die sozialen Medien infiltriert und das Unternehmen als toller Arbeitgeber präsentiert. Jedes Unternehmen ist dabei Kinder freundlich, sozial engagiert, auf work-life-blance bedacht und bietet die besten Sozialleistungen. Doof nur, dass dann wirklich Mitarbeiter anheuern, die sagen wie es wirklich ist. Hier wird die Krux deutlich. Es bedarf nicht nur toller Werbekampagnen(sei es below oder above the line). Die Unternehmen müssen sich kritisch mit ihrer Unternehmenskultur auseinandersetzten und reflektieren, ob diese noch wettbewerbsfähig ist. Bester Einstieg dies zu tun: überdenken Sie, wie Ihr Unternehmen zur privaten Nutzung des Internets (und sozialen Netzwerken) am Arbeitsplatz steht. Denn für viele Young Professionals ist dies bereits ein Killerkriterium, wie eine Studie des Wirtschaftsmagazins CIO ergab.

Jobkiller Facebook und Co.

Lupe auf BildschirmDas wohl bekannteste Angstszenario in diesem Zusammenhang ist, dass die Partybilder von letzter Nacht im Internet – öffentlich zugänglich – auftauchen. Am besten noch mit Namen. Es wird häufig davor gewarnt, es passiert trotzdem. Unter dem Strich ein alter Hut und so angestaubt wie die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Social Media Plattformen. Jedoch führt dieses Szenario zu einer spannenden Frage:

Was bedeutet im Internet eigentlich „Privat“?

Klar ist, dass die Plattformen schon gewisse Charakteristika mitbringen. So weiß man, dass XING eher „Business“ und Facebook eher „Privat“ daher kommt. So werden in der Regel auch die Profile der Nutzer angelegt. Eigentlich also eine klare Angelegenheit oder? Wenn ein Unternehmen etwas über den künftigen Kandidaten wissen möchte schaut es bei XING nach, da ja dort das unternehmerisch Relevante des Bewerbers steht und eine Diskobekanntschaft sucht man(n) dann doch eher auf Facebook.

Nun ist ja das Internet verführerisch transparent und das ein oder andere Unternehmen (zu denen Ihres sicherlich nicht zählt) möchte, neben dem wirklich fachlich Relevanten was auf XING zu finden wäre, etwas über die Person hinter dem Lebenslauf erfahren (natürlich nur wegen den social skills und so). Also wird auch Facebook, StudiVZ, MySpace und vielleicht auch noch Knuddels zu Rate gezogen, um mögliche Jugendsünden oder andere Internet-Fauxpas aufzudecken. Dass es sich hierbei um eine rechtliche Grauzone handelt und z. T. auch gegen AGBs der Seiten verstößt mal beiseitegelassen.

Bildlich gesprochen fährt das Unternehmen also an der Wohnung des Bewerbers vorbei, glotz ins Fenster, sieht eine wilde Party und sagt: dieser Mensch kann auf  keinen Fall was taugen, so wie der feiert.

Es handelt sich aber vielleicht bei dem Menschen auf dem Tisch mit der Krawatte um den Kopf und den Socken auf den Händen um den kompetentesten Ingenieur der Region, der heute 35 wird. Alles klar? Das Einzige was ein solches Verhalten fördert ist, dass jeder User zwei Profile hat. Eins für Arbeitgeber und eins für Freunde, was dann COoLmaster35 heißt und nicht gefunden wird.

Soviel zum unternehmerischen Appell dieses Posts. Es gibt aber auch noch den erhobenen Zeigefinger für die Nutzer von Social Media:

Würde es so etwas wie die 10 Gebote für Arbeitnehmer im Web geben, das erste Gebot würde lauten: Spreche nie schlecht über deinen Arbeitgeber im Internet –nirgends und nie.

Aktuelles Beispiel aus dem Hause Apple: Ein Storemitarbeiter wurde gekündigt, da er auf Facebook seinen Freunden (und nur seinen Freunden!) mitteilte, dass Apple doof ist und die Produkte nichts taugen. Einer seiner „Freunde“ gab dieses Memorandum an den Storemanager weiter. Dieser kündigte dann dem Mitarbeiter, was einen Rechtstreit nach sich zog. Schließlich hat der Mitarbeiter doch nur in einem „privat“ abgesteckten Raum seine Meinung kundgetan.

Die englischen Richter sahen das anders:

Die Nachricht war zwar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, konnte aber, so die Richter, jederzeit kopiert und weitergegeben werden. Aus diesem Grund konnte er sich nicht darauf berufen, die Kommunikation sei privater Natur gewesen.

*Quelle: Macnews

Fazit: Sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen müssen noch ein bisschen Social Media Umgang üben, bis die eigentlich zu erwartende Nettiquette eintritt.

Bild: Christine Lietz / PIXELIO

Welcher Abteilung im Unternehmen gehört Social Media?

Als kürzlich ein Unternehmen an mich heran trat und bat, ca. 30 Minuten über Social Media zu referieren, reagierte ich mit der Standardfrage: Um welchen Teilnehmerkreis handelt es sich denn?

Später mehr dazu, warum die Antwort eher ungewöhnlich war.

Unternehmen die mehr über Social Media wissen möchten, haben nicht selten bereits einen gewissen Reifegrad in diesem Thema. Sie haben schon mal in das Rauschen der unterschiedlichen Kanäle reingehört, Sie haben von Kunden erfahren, dass es etwas wesentliches ist und nun möchten Sie wissen, was die nächsten Schritte sind. Am besten ein 10 seitiges Handbuch mit Ikea-Möbelbau-Charakter.

Nun kommen wir zu der Abteilungsfrage. Welche Abteilung hat die ersten Gehversuche im Social Media unternommen und wer ist Initiator der nächsten Schritte. Die häufigste Antwort auf diese Frage dürfte das Marketing sein. Die kreativen Köpfe aus den Unternehmen, die am Puls der Zeit nach neuen Möglichkeiten suchen die Zielgruppe zu erreichen. Dies belegte auch eine 2010 veröffentliche Studie von econsultancy.com. Unter dem Strich wurden mehr als 35% aller Social Media Aktivitäten aus dem Marketing und 21% aus dem PR Team vorangetrieben. Macht einen Anteil von satten 56% für die Kommunikationsabteilungen.

Eine graphische Aufbereitung der Studie

Doch hat sich das Marketing-Instrument Social Media weiterentwickelt. Es ist nun ein Unternehmensinstrument für Recruiting, Controlling, Pressearbeit, Support und viele andere Teilaufgaben und Teilzielen. Genau hier liegt auch die Herausforderung. Sobald etwas primäre  und sekundäre Wertschöpfungskettenelemente gleichzeitig unterstützen kann, bedarf es einem großen Maß an Koordinierungsaufwand und klaren Strukturen. Diese gibt  es aufgrund der Neuheit des Mediums noch eher selten.

Daraus wird klar was die Unternehmen künftig wirklich brauchen. Es ist kein 10 seitiger Action-Item-Plan, sondern einen Koordinator. Ein Koordinator, der auf High-Level Ebene die Ziele der Abteilungen auf die Social Media Möglichkeiten projiziert und daraus eine Social Media Strategie ableitet. Dabei ist die Form des Koordinators frei wählbar. Consultant, Projektmanager, Social Media Beauftragter oder Kommunikationsexperte. Wichtig ist die Zuweisung der nötigen Kompetenzen und ein starke Moderations- und Vernetzungseigenschaft.

Zurück zu der Besonderheit der Antwort auf die Frage, welcher Teilnehmerkreis das Social Media Referat angefragt hat. Es waren Personaler, Vertriebler und Kundendienstleiter. Kein Marketingler. Die Emanzipation der Abteilungen im Social Media Bereich ist also im vollem Gange. Doch bis sich am Ergebnis der econsultancy Studie etwas grundlegend ändert, dauert es wohl noch ein bisschen.

Bild1 © Rainer Sturm/ PIXELIO

Bild2 © Christina Warren / Mashable