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re:publica12 Rückblick Teil1

Opening der re:publica12 in Berlin

Bereits zum sechsten Mal luden die Veranstalter der re:publica (u. a. Markus Beckedahl [netzpolitik.org] und Johnny Haeusler [Spreeblick]) nach Berlin, doch einiges war anders als sonst. Die #rp12 fand in einer neuer Lokation (der Station Berlin – ehemals Postbahnhof) statt. Das neue Gewand des so genannten Klassentreffens lies keine Wünsche offen und bot ein rund um innovatives und kreatives Konferenzkonzept.

Von Plastikstühlen die für Stuhlkreise, Reise nach Jerusalem Spiele und zur Erweiterung von der Konferenzbestuhlung genutzt wurden, bis hin zum Open Space für spontane Sessions, war alles auf „ACT!ON“ ausgerichtet – ganz Motto getreu. Eine APP zur Planung der Sessions durfte genauso wenig fehlen, wie ein ausgeklügeltes Catering mit Slowfood oder Bratwurst und Mate oder Fritz Cola. Eine moderne Konferenz hätte einfach nicht besser aussehen können.

Der Wandel war aber auch nötig – 300 Redner aus 30 Ländern mit fast 200 Stunden Programm und über 3.000 Teilnehmern wollten untergebracht und ge(ver-)plant werden. Spätestens bei diesen Fakten hätte vermutlich jedes Tagungshotel dankend abgewunken. Die 3.000 Besucher haben die insgesamt 8 Hallen (bzw. Stages) nicht nur mit Leben, sondern auch mit WLAN Geräten gefüllt. Mehr muss zum Thema Internetinfrastruktur aber auch nicht gesagt werden 🙂

Barrierefreiheit

Willkommensbild der Republica - Eingang mit LeutenDie Barrierefreiheit war wohl das Thema, was (wohl nicht nur) ich bis zur re:publica viel zu wenig präsent hatte. Natürlich hat man mal bei Webprojekten auf die Klassiker, wie ALT-Tags und Schriftgrößenoptionen geachtet. Aber welche Bedeutung Barrierefreiheit für Betroffene hat, wurde auf der re:publica in einer Deutlichkeit vor die eigene Nase gehalten, dass man sich etwas schämte es nicht „natürlicher“ einzusetzen. Nicht die Frage zu stellen, ob man soll, sondern viel mehr zu fragen, was man noch besser machen kann.

Zwei Lichtgestalten der Konferenz waren in diesem Bereich  Julia Probst, die selbst dem Regierungssprecher ordentlich eingeheizt hat und Raul Krauthausen, der mit dem Onlinedienst wheelmap.org, den wohl bekanntesten Beitrag zum Thema Barrierefreiheit im Netz mit aufgebaut hat.

Die #rp12 ist mit sehr gutem Beispiel voran gegangen. Machen statt predigen war die Devise und so wurde Barrierefreiheit nicht nur in Vorträgen behandelt, sondern auf der Konferenz gelebt. Gebärdendolmetscher, gut zugängliche Räume & WCs und ein gut erreichbares Gelände, waren nur ein paar Auszüge der Barrierefreiheits-Liste.

Spannend war, dass die meisten Themen die diskutiert wurden noch aufs „Real Life“ bezogen waren. Es wurde nur wenig Kritik an digitalen Angeboten großer Hersteller gerichtet. Ich denke, dass der Leidensdruck im Alltag vor der Tür aktuell noch ein größerer ist, als der im Web. Aber auch im Netz wird es in den kommenden Jahren sicherlich wichtige Veränderungen geben, die auch die Lösung einiger Real-Life-Probleme mit sich bringen.

Das war der erste Teil meines persönlichen re:publica 2012 Rückblicks. Anhand der Themenfülle könnte es bis zu vier Teile geben – hoffentlich zeitnah! Aber wie sagte Lobo so schön, mehr Bloggen! In diesem Sinne 🙂

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Jobkiller Facebook und Co.

Lupe auf BildschirmDas wohl bekannteste Angstszenario in diesem Zusammenhang ist, dass die Partybilder von letzter Nacht im Internet – öffentlich zugänglich – auftauchen. Am besten noch mit Namen. Es wird häufig davor gewarnt, es passiert trotzdem. Unter dem Strich ein alter Hut und so angestaubt wie die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Social Media Plattformen. Jedoch führt dieses Szenario zu einer spannenden Frage:

Was bedeutet im Internet eigentlich „Privat“?

Klar ist, dass die Plattformen schon gewisse Charakteristika mitbringen. So weiß man, dass XING eher „Business“ und Facebook eher „Privat“ daher kommt. So werden in der Regel auch die Profile der Nutzer angelegt. Eigentlich also eine klare Angelegenheit oder? Wenn ein Unternehmen etwas über den künftigen Kandidaten wissen möchte schaut es bei XING nach, da ja dort das unternehmerisch Relevante des Bewerbers steht und eine Diskobekanntschaft sucht man(n) dann doch eher auf Facebook.

Nun ist ja das Internet verführerisch transparent und das ein oder andere Unternehmen (zu denen Ihres sicherlich nicht zählt) möchte, neben dem wirklich fachlich Relevanten was auf XING zu finden wäre, etwas über die Person hinter dem Lebenslauf erfahren (natürlich nur wegen den social skills und so). Also wird auch Facebook, StudiVZ, MySpace und vielleicht auch noch Knuddels zu Rate gezogen, um mögliche Jugendsünden oder andere Internet-Fauxpas aufzudecken. Dass es sich hierbei um eine rechtliche Grauzone handelt und z. T. auch gegen AGBs der Seiten verstößt mal beiseitegelassen.

Bildlich gesprochen fährt das Unternehmen also an der Wohnung des Bewerbers vorbei, glotz ins Fenster, sieht eine wilde Party und sagt: dieser Mensch kann auf  keinen Fall was taugen, so wie der feiert.

Es handelt sich aber vielleicht bei dem Menschen auf dem Tisch mit der Krawatte um den Kopf und den Socken auf den Händen um den kompetentesten Ingenieur der Region, der heute 35 wird. Alles klar? Das Einzige was ein solches Verhalten fördert ist, dass jeder User zwei Profile hat. Eins für Arbeitgeber und eins für Freunde, was dann COoLmaster35 heißt und nicht gefunden wird.

Soviel zum unternehmerischen Appell dieses Posts. Es gibt aber auch noch den erhobenen Zeigefinger für die Nutzer von Social Media:

Würde es so etwas wie die 10 Gebote für Arbeitnehmer im Web geben, das erste Gebot würde lauten: Spreche nie schlecht über deinen Arbeitgeber im Internet –nirgends und nie.

Aktuelles Beispiel aus dem Hause Apple: Ein Storemitarbeiter wurde gekündigt, da er auf Facebook seinen Freunden (und nur seinen Freunden!) mitteilte, dass Apple doof ist und die Produkte nichts taugen. Einer seiner „Freunde“ gab dieses Memorandum an den Storemanager weiter. Dieser kündigte dann dem Mitarbeiter, was einen Rechtstreit nach sich zog. Schließlich hat der Mitarbeiter doch nur in einem „privat“ abgesteckten Raum seine Meinung kundgetan.

Die englischen Richter sahen das anders:

Die Nachricht war zwar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, konnte aber, so die Richter, jederzeit kopiert und weitergegeben werden. Aus diesem Grund konnte er sich nicht darauf berufen, die Kommunikation sei privater Natur gewesen.

*Quelle: Macnews

Fazit: Sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen müssen noch ein bisschen Social Media Umgang üben, bis die eigentlich zu erwartende Nettiquette eintritt.

Bild: Christine Lietz / PIXELIO

Traue keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast

Klout LogoEin altbekannter Spruch, der heute mehr gilt denn je. Unternehmen (insbesondere BWLer) müssen nämlich alles Messen. Grade im Internet, wo der User doch so „transparent“ ist wie ein durchschnittlicher Payback-Karten-Power-Nutzer. Es wird der Wert eines Facebook-Like-Klickers im Vergleich zu einem Facebook-Fan berechnet, die Bedeutung eines Websitenbesuchers im Vergleich zu den absoluten Pageimpressions und wie ist denn überhaupt der Revenue-Impact?

Schöne neue Welt. Nun ist der BWLer neben seiner Zahlenaffinität primär faul. Daher sucht er sich Tools und Metriken, die ihm Helfen diese Werte zu bestimmen. Im Onlinebereich ist eine davon klout.com. Klout stuft den Nutzer anhand von diversen Aktivitäten-, Reichweiten- und Beeinflussungsfaktoren in ein Scoringmodell von 1-100 ein. Wobei 100 den heilige Gral des Onlinedaseins verkörpert. Es soll sogar Unternehmen geben, die diesen Wert zur Unternehmenskennzahl erklärt haben.

Heute nun der Schock. Der etablierte Dienst Klout stellt seine Erhebungsmethodik um. Einfach so und ohne Vorwarnung. Es werden nun pro Tag insgesamt 2.5 Billionen Verbindungen und Contentfragmente analysiert und bewertet. Dabei haben sich die Schwerpunkte geändert. Das genaue Messverfahren wird auf dem Unternehmensblog erläutert. Für manche hieß dies einen herben Rückschlag. Insbesondere die Hochgestuften traf es hart. Auf dem Blog haben sich viele „Stars“ (Score 75+) beschwert, dass sie nun nur noch 50 oder weniger hätten und das über Nacht. Andere traf es gut, sie erlebten einen wahren Schub im Score und freuten sich natürlich dementsprechend. Falls auch Ihr Unternehmen ein KloutScore als Unternehmenskennzahl hat, lohnt sich ein schneller Blick auf die Internetseite von Klout. Vielleicht haben Sie Ihr Jahresziel bereits übertroffen und können nun Urlaub machen.

Wir lernen also, dass Metriken im Internet allgegenwärtig, allerdings auch nicht in Stein gemeißelt sind. Es gilt im Managementprozess immer wieder die Metriken zu hinterfragen, neue Erhebungsmethodiken zu diskutieren und sich nicht nur auf eine Zahl von einem Internetdienst zu verlassen – der Morgen vielleicht gar nicht mehr da ist (oder über Nacht seine Methodik umstellt).

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