re:publica12 Rückblick Teil2

Hacking für den WeltfriedenHaupthalle der #rp12

In den letzten Wochen gab es eigentlich keinen TV-Beitrag einer Demonstration indem nicht die Maske, die an den Revoluzzer Guy Fawkes erinnern soll, auftauchte. Bevorzugte Träger dieser Maske sind die Mitglieder (oder Sympathisanten) der anonymen Protestbewegung „Anonymous“.

Viele Vorträge, insbesondere im netzpolitischen Kontext, knüpften an den Aktivitäten dieser Gruppierung an – mit streckenweise sehr kontroversen Meinungen.  Die Erkenntnis im Falle Anonymous war, dass es sich um keine Gruppierung oder Organisation, sondern um ein Label handelt. Jeder kann sich dieses Labels bedienen, um zum Beispiel anonym „geheime“ Dokumente zu posten. Hier liegt aber auch genau die Schwäche. Es gibt keine Hierarchie, keine Ansprechpartner und auch kein wirkliches Aufnahmeritual. Somit kann  das Label jederzeit infiltriert  werden und kann für jeden Schabernack genutzt werden, bis die Kontur des Labels verwischt und als unattraktiver Chaotenhaufen in die Außenwelt wirkt.

Auf der diesjährigen re:publica wurden  die Aktivisten zwar für ihr Engagement (vor allem zur Bekämpfung von ACTA) gelobt. Allerdings gab es auch Kritik gegenüber der ausgeübten Selbstjustiz von einigen Anonymous Aktivisten. Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) hat die destruktiven Aktionen (z. B. DDOS Attacken) bemängelt. Der Hacker Codex verfolgt das Ziel, alle Kommunikationsformen zu verteidigen und aufrecht zu erhalten, während solche Attacken die Kommunikationskanäle lähmt und auch wichtige Services, die nicht Teil des Ziels waren, mit beeinträchtigt.

Außerdem wissen die User, die sich an solchen Aktion relativ einfach beteiligen können (Softwaredownload reicht), oft nicht ausreichend um die Risiken. Ungefährer Oton auf der Podiumsdiskussion mit Jacob Appelbaum (Netzaktivist), Carolin Wiedemann (Anonymous  Forscherin) und Frank Rieger (CCC) war, dass wenn ein Aktivist auf die Straße geht und sich auf Gleisschienen setzt um einen Castor-Transport zu verhindern, er genau weiß was ihn erwartet (Wasserwerfer, verärgerte Polizisten und ggf. eine kurze Haftstrafe).

So hat der Aktivist auch seine Tätigkeit und sein Engagement geplant. Während nun durch einen Download eine bequeme Art von Aktivismus geschaffen wurde, die den User aber im Unklaren über die Konsequenzen lässt. Cyber-Terrorismus kann Haftstrafen von bis zu 10 Jahren nach sich ziehen, da sollte man schon ganz genau wissen was man da tut und wofür eigentlich – denn einen Codex (oder ethische Grunsätze) wie beim CCC sucht man bei Anonymous vergebens. Wer die Session gerne anschauen möchte, findet sie unter anderem auf SpOn.

Es gab aber auch noch andere Formen von Hacking, die auf der re:publica in entspannter Atmosphäre vorgestellt wurden. Das so genannte Life-Hacking beschreibt, wie sich das Leben durch Tricks und Kniffe vereinfacht oder gar ein lange ertragenes „Problem“ löst. So zum Beispiel die 3D-Drucker Fraktion. Durch die günstige Produktion von Plastikteilen, werden regelrechte Ideenströme losgetreten. Verbindung von Playmobil zur Legowelt, Ikea Möbel werden in Vollendung zusammengewürfelt und bekommen neue Teile – gar Dimensionen. Eine neue Welt am Zeigefinger und nur einen Mausklick entfernt.

Recht und Unrecht im Internet

Beim Thema „Recht im Internet“ kam man in allen Vorträgen an einem Wort nicht vorbei – dem Urheberrecht. Zum Schutz des geistigen Eigentums, irgendwie aus der Berner Übereinkunft 1908 abgeleitet und gefühlt seit dem nicht angepasst. Stimmt natürlich nicht. Es gab viele Reformen, die zunehmend die Nutzung von Marken, Ideen, Kunst, Texte, Bilder etc. regelt – privat und unternehmerisch.

Verurteilt wurde auf den meisten Bühnen die Kriminalisierung von privaten Usern.  Postings auf Facebook, Google+, Twitter und Co. müssen unter penibler Einhaltung der Gesetzeslage passieren – und das obwohl kein Geschäftszweck hinter den LOLCATS steckt.

Hier treffen zwei sehr verfahrene Welten aufeinander. Auf der einen Seite die Internetuser die meinen, dass durch Anmerkungen auf Bildern oder Tonänderungen bei Videos das Urheberecht ja nicht so richtig gelten kann und auf der anderen Seite die Produzenten, die Verdienstausfälle beklagen. Prügelknabe dieser Debatte (nicht ganz zu Unrecht) sind die Verwertungsgesellschaften wie GEMA oder GVL. Sie tragen weder zum Reichtum der Künstler bei, noch zur Schlichtung der Debatte. Eigentlich sind sie lachende Dritte – aber nun mal aktuell auch im Recht.

Die Frage die auf der re:publica nicht zum ersten Mal gestellt wurde: Wie kann die Gesetzeslage geändert werden, ohne das Prinzip des geistigen Eigentums aufzugeben, aber zeitgleich Nutzungsfreiräume für private Internetnutzer zu schaffen. In der Frage versteckt ist natürlich auch eine Diskussion um den schnöden Mammon. Muss Youtube als Anbieter einer Videoplattform Gema zahlen? Dürfen User nur gemafreie Musik nutzen? Was ist ein öffentliches Posting und was ist „privat“? Schwierige Fragen, die zeitnah geklärt werden müssen, damit Rechtssicherheit für Internetnutzer herrscht und der Abmahnkult von dubiosen Rechtsanwaltskanzleien gestoppt wird.

Ein Lichtblick war für mich der Auftritt des Telekom Hilft Teams. Hier zeigte ein großer Konzern, wie man mit Internetmenschen reden kann, auch ohne die Rechtskeule zu schwingen. Im konkreten Fall ging es um den „Fakeaccount“ telekom_hiIft (ein kleines und ein großes i machten es möglich). Der Account hat den Support der Telekom durch lustige Kommentare erschwert. Hier half ein wirklich gut geschriebener offener Brief an den Accountbesitzer.  Zwar nicht neu, für mich aber noch immer eines der besten Beispiele für gelungene Unternehmenskommunikation. Das re:publica Publikum empfand dies ähnlich und belohnte das Telekom Hilft Team mit einem herzlichen Empfang und viel Beifall.

Man sieht, wer nicht da war hat viel verpasst. Die re:publica 2012 war ein echter Quell des Wissens und erlaubte einen tiefen Einblick in die Subkultur der Internetszene. Daher gibt es auch noch einen weiteren Teil des #rp12 Rückblickes. Stay tuned.

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re:publica12 Rückblick Teil1

Opening der re:publica12 in Berlin

Bereits zum sechsten Mal luden die Veranstalter der re:publica (u. a. Markus Beckedahl [netzpolitik.org] und Johnny Haeusler [Spreeblick]) nach Berlin, doch einiges war anders als sonst. Die #rp12 fand in einer neuer Lokation (der Station Berlin – ehemals Postbahnhof) statt. Das neue Gewand des so genannten Klassentreffens lies keine Wünsche offen und bot ein rund um innovatives und kreatives Konferenzkonzept.

Von Plastikstühlen die für Stuhlkreise, Reise nach Jerusalem Spiele und zur Erweiterung von der Konferenzbestuhlung genutzt wurden, bis hin zum Open Space für spontane Sessions, war alles auf „ACT!ON“ ausgerichtet – ganz Motto getreu. Eine APP zur Planung der Sessions durfte genauso wenig fehlen, wie ein ausgeklügeltes Catering mit Slowfood oder Bratwurst und Mate oder Fritz Cola. Eine moderne Konferenz hätte einfach nicht besser aussehen können.

Der Wandel war aber auch nötig – 300 Redner aus 30 Ländern mit fast 200 Stunden Programm und über 3.000 Teilnehmern wollten untergebracht und ge(ver-)plant werden. Spätestens bei diesen Fakten hätte vermutlich jedes Tagungshotel dankend abgewunken. Die 3.000 Besucher haben die insgesamt 8 Hallen (bzw. Stages) nicht nur mit Leben, sondern auch mit WLAN Geräten gefüllt. Mehr muss zum Thema Internetinfrastruktur aber auch nicht gesagt werden 🙂

Barrierefreiheit

Willkommensbild der Republica - Eingang mit LeutenDie Barrierefreiheit war wohl das Thema, was (wohl nicht nur) ich bis zur re:publica viel zu wenig präsent hatte. Natürlich hat man mal bei Webprojekten auf die Klassiker, wie ALT-Tags und Schriftgrößenoptionen geachtet. Aber welche Bedeutung Barrierefreiheit für Betroffene hat, wurde auf der re:publica in einer Deutlichkeit vor die eigene Nase gehalten, dass man sich etwas schämte es nicht „natürlicher“ einzusetzen. Nicht die Frage zu stellen, ob man soll, sondern viel mehr zu fragen, was man noch besser machen kann.

Zwei Lichtgestalten der Konferenz waren in diesem Bereich  Julia Probst, die selbst dem Regierungssprecher ordentlich eingeheizt hat und Raul Krauthausen, der mit dem Onlinedienst wheelmap.org, den wohl bekanntesten Beitrag zum Thema Barrierefreiheit im Netz mit aufgebaut hat.

Die #rp12 ist mit sehr gutem Beispiel voran gegangen. Machen statt predigen war die Devise und so wurde Barrierefreiheit nicht nur in Vorträgen behandelt, sondern auf der Konferenz gelebt. Gebärdendolmetscher, gut zugängliche Räume & WCs und ein gut erreichbares Gelände, waren nur ein paar Auszüge der Barrierefreiheits-Liste.

Spannend war, dass die meisten Themen die diskutiert wurden noch aufs „Real Life“ bezogen waren. Es wurde nur wenig Kritik an digitalen Angeboten großer Hersteller gerichtet. Ich denke, dass der Leidensdruck im Alltag vor der Tür aktuell noch ein größerer ist, als der im Web. Aber auch im Netz wird es in den kommenden Jahren sicherlich wichtige Veränderungen geben, die auch die Lösung einiger Real-Life-Probleme mit sich bringen.

Das war der erste Teil meines persönlichen re:publica 2012 Rückblicks. Anhand der Themenfülle könnte es bis zu vier Teile geben – hoffentlich zeitnah! Aber wie sagte Lobo so schön, mehr Bloggen! In diesem Sinne 🙂

Investitionsschutz für Social Media Auftritte

Nicht erst seit gestern investieren Unternehmen teils absurde große Summen in ihre Social Media Präsenzen. Von der Wiederverwertungsmentalität der bestehenden Kampagnenmaterialien (wie häufig in den jungen Tagen des Web 2.0 praktiziert) ist kaum noch die Spur. Aufwendige Sonderproduktionen und maßgeschneiderte Konzepte, sind für die einzelnen Social Media Kanäle quasi Standard.

Warum auch nicht: die neuen Medien bieten innovative Werbemöglichkeiten, mit interaktiven Inhalten für Kunden und sind eine willkommene Abwechslung in der Werbe-Dauerbeschallung (für Werber und Kunden!). Klingt nach einer echten Win-Win Situation.

Ohne Haken geht es leider auch bei den neuen Medien nicht: Unternehmen die um Social Media Plattformen herum kreative Präsenzen aufbauen möchten, müssen sich immer im Klaren sein, dass Morgen alles anders sein kann. Die Plattformen wie Facebook, GooglePlus und Co, sind durch Konkurrenzkampf, eine natürliche Innovationsfreude und auch wegen der aktiven Userbasis, immer im Zugzwang sich weiterzuentwickeln oder gar neu zu erfinden.

Aktuelles Beispiel: Facebook Fanpages. Mit den neuen User-Profilen in Form der Chronik (Englisch auch Timeline genannt), kam kurze Zeit später auch für Unternehmen die neue Darstellungsform.  Was trivial klingt, hatte große Auswirkungen. Die Startseite der Profile hat sich grundlegend geändert. Interaktive (selbstprogrammierte Inhalte), wurden von dem prominenten Platz auf der Startseite, in eine neue Sektion namens „Apps“ verbannt und sind somit nicht mehr so einfach aufzufinden. Auch das klassische Prinzip <<Erst auf den Gefällt-Mir-Button klicken, um an Inhalte zu kommen>>, stirbt mit der neuen Darstellungsform.

Und das ist nur die Spitze des Eisberges. Viele hundert Seiten Richtlinien auf den Plattformen bilden Stolperfallen für teilnehmende Unternehmen. Einmal nicht aufgepasst, kann die mühsam aufgebaute Seite mit vielen Fans für immer verloren sein. Der fade Beigeschmack des Hausrechts eben.

Aus den Social Media Kindergärten ohne Geschäftsmodell sind Unternehmen geworden. Als solche tragen Sie aber auch Verantwortung. Nicht nur den Nutzern, sondern auch ihren Kunden gegenüber. Denn wenn in Punkto Investitionsschutz nicht bald nachgebessert wird, haben die Unternehmen künftig keine Lust mehr die Party der anderen zu zahlen.

tl;dr Social Media Plattformen müssen künftig professioneller mit dem Innovationsmanagement und den Entwicklungszyklen umgehen. Dabei müssen getätigte Investitionen der Kunden geschützt werden und Änderungen transparent und mit genügend Anlaufzeit bekannt gegeben werden. Die Zeiten wo munter täglich aus der Hüfte geschossen werden konnte, neigen sich dem Ende zu.

Revolutionäre Netze durch kollektive Bewegungen

Das folgende Video hat mich gefesselt und begeistert, wie kaum ein zweites in letzter Zeit.

Peter Kruse war mir vorher, so ehrlich muss ich sein, gänzlich unbekannt. Für diejenigen die ihn auch nicht kennen – eine kurze Vita:

Kruse studierte von 1976 bis 1981 in Münster und Bremen Psychologie und promovierte später mit summa cum laude. Seine Erkenntnisse aus der jüngeren Hirnforschung und der Theorie dynamischer Systeme, projizierte er auf die Unternehmenswelt und fasste so schnell Fuß in der Unternehmensberatung.

Er hat einen sehr pragmatischen Blickwinkel auf das Internet, als ein dynamisches System, dessen Weiterentwicklung nicht vorhersehbar ist. Zwei Vorhersagen bietet er trotzdem an: Das Ergebnis des Netzes ist eine Verschiebung hin zu Nachfrager Märkten (siehe auch Nachfrager Märkte im Personalbereich) und die notwendige Fähigkeit der Empathie.

Er schafft es, all das in einem dreiminütigem Implusvortrag zu erläutern und seiner Kernthesen zu untermauern. Unbedingt gucken!

Warum so viele Corporate Blogs scheitern

Top 5Wir brauchen einen Blog! So oder so ähnlich klingt es nach vielen Marketing/Management Meetings. Die digitale Welt des Web 2.0 ist dort irgendwie am griffigsten. Man setzt etwas selber auf, nach eigenen Spielregeln und kann es nach Belieben moderieren. Ohne, dass sich ein Facebook oder Google Admin in seinen Unternehmensauftritt einmischt. Fast wie bei der Unternehmenswebseite.

Warum scheitern aber so viele Blogs?

Hier die Top5 Gründe warum Unternehmen-Blogs im Web scheitern:

Platz 5: Inkonsistenter Content

Heute wird über Mitarbeiter geschrieben, morgen über Wettbewerber und ein anderes Mal über wirtschaftspolitische Ereignisse. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun und führt zu einer gewissen Profillosigkeit, die meist mit sinkenden Besucherzahlen quittiert wird. Fokussieren Sie sich auf ein Thema und posten Sie Beiträge in dieser Rubrik.

Platz 4: Epische Textorgien

Der Germanistik Student hatte für den Blogeintrag wohl etwas zu viel Zeit und intern hatte keiner Lust 4000 Wörter zu redigieren. Naja, Deutsch kann er ja und inhaltlich wurde er gebrieft, dazu muss dringend was Neues auf den Blog. Also geht die Wörterphalanx online und keiner hat Lust sie zu lesen.

Platz 3: Werbetexte

Wir sind super, kauft unser Produkt. Wir sind wirklich gut, sagt auch Kunde Herrmann. Hier noch ein Siegel und da noch eine Produktstudie. Natürlich gehört zur Unternehmenswelt auch Selbstdarstellung, dabei ist aber das Maß ganz wichtig. Wenn nun klar ist, dass nicht nur Selbstdarstellungen gepostet werden, kommt zwangsläufig die Frage: was posten wir sonst noch? Diese Frage sollte man am besten vor dem ersten Blogeintrag geklärt haben.

Platz 2: Content Recycling

Ok, Hand aufs Herz – wir haben es alle schon mal gemacht. Wenn allerdings unter den letzten 10 Beiträgen 8 „pfiffig“ gekürzte Pressemitteilungen sind (die schon als Pressemitteilung keiner lesen wollte), wird der Blog gänzlich uninteressant.

Platz 1: Content Frequenz

Man muss nicht jeden Tag posten. Aber alle 14 Tage sollte als Unternehmen schon drin sein.  Wenn länger als einen Monat nichts geschrieben wurde, gehen User häufig davon aus, dass der Blog „tod“ ist. Kümmern Sie sich um Vertreterregelungen, verteilen Sie die Verantwortlichkeiten im Unternehmen auf mehreren Schultern und lassen Sie so den Unternehmensblog als geübtes Marketinginstrument in Ihren Alltag einfließen. So vermeiden Sie das peinliche Schweigen.

Tipp: Wenn Sie Texte schreiben, achten Sie auf Dialogeinladungen. Denn ein Blog ist nur Web 2.0 wenn der Dialog im Vordergrund steht.  Ansonsten ist es eine anders gehostete Unternehmenswebseite.

Recruiting 2.0 – die 10 Schritte zur kreativen Personalsuche

Bild einer Zeitungsannonce „Gutes Personal ist schwer zu finden“

Der Spruch ist zwar alt, gilt heute aber mehr denn je. Eine Stelle mit einer qualifizierten Fachkraft zu besetzten, grenzt in manchen Unternehmen an Unmöglichkeit. Kein Wunder; McKinsey sagt in einer aktuellen Studie*, dass bis zum Jahr 2025 ungefähr 6.5 Millionen Fachkräfte fehlen (alleine ca. 2.5 Millionen Akademiker). In Zeiten von Digital Natives und der Generation Y, wird eine Zeitungsannonce niemand mehr hinter dem Ofen hervor locken. Es bedarf also kreativen Methoden bei der Personalsuche und der proaktiven Imagepflege der Arbeitgebermarke für potentielle Bewerber.

Die Unternehmen fangen daher an, die Personalsuche auf die sozialen Medien auszudehnen. In Verbindung mit Employer Branding für den Image-Part (siehe auch „Was ist eigentlich dieses Employer Branding“) tritt das neue Modewort für Personalsuche „Recruiting“ vermehrt mit dem frischen Zusatz 2.0 auf. Keine Sorge, dass 2.0 steht lediglich für das Wechseln des Mediums und nicht für eine Revolution in der Vorgehensweise. Wie es allerdings bei einem Medium-Wechsel üblich ist, verändern sich die Rahmenbedingungen und Spielregeln. Daher gibt es heute, den bei mir häufig gewünschten 10 Punkte Marshallplan für eine erfolgreiche Recruiting 2.0 Kampagne im Social Web:

1. Ist-Analyse durchführen und in ein aktuelles Selbstbild überführen (was ist die aktuelle Unternehmenskultur, Philosophie etc.)

2. Sollzustand definieren und ein Wunschselbstbild formulieren (die Mitte zwischen Ist und Soll dient als Grundlage für die Außendarstellung)

1 + 2 sind auch die Einstiegshausaufgaben für das Employer Branding, müssen aber für eine erfolgreiche Recruiting 2.0 Kampagne bewältigt werden. Wenn man mit dem aktuellen (oft undefinierten und unscharfen) Selbstbild in die digitale Sphäre herausgeht, fehlen häufig die visionären Ansätze und der Blick in die Zukunft, die für Young Professionals und junge Leute besonders wichtig sind. Diese Hausaufgabe muss „leider“ vom Top-Management erledigt werden, da die für die Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich sind. Das bremst leider Recruiting 2.0 vom Quickwin zu einer langfristigen Maßnahme, lohnt sich aber hinten heraus, wenn sich gleich die richtigen Kandidaten bewerben.

3. Zielgruppe definieren und optimaler Weise nach Qualifikationen und Bereichen abgrenzen. Brauch ich studierte Controller oder Informatik Azubis?

4. Plattform/en für die Kampagne wählen. Das fällt nach Schritt 3 nicht sonderlich schwer. Xing, Facebook, Linkedin – die Präferenz bildet sich schnell.

Wer die Aufgaben 3 + 4 übernimmt ist leider nicht so klar. Auch eine Empfehlung ist schwer, hier kommt es etwas auf die Unternehmensstruktur an. Denkbar ist eine Kombination aus Marketing und HR in Kooperation. Hier ist etwas Geduld gefordert, weil dies meist keine natürliche oder etablierte Kommunikationsschnittstelle im Unternehmen ist.

5. Short Term Efforts definieren (was möchte ich kurzfristig erreichen?)

6. Long Term Efforts definieren (was ist meine langfristige Strategie mit der Präsenz?)

7. Reichweiten
gemäß 5+6 auf den (in Punkt 4 ausgewählten) Plattformen aufbauen. Das ist ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag. Falls Sie schnell und kurzfristig Reichweite brauchen, können Sie ein iPad verlosen. Klingt profan, funktioniert (kurzfristig) aber. Achten Sie dabei unbedingt auf die Nutzungsbedingungen für Gewinnspiele auf den Plattformen. Bei Missachtung droht die rote Karte auf der Plattform für Ihre Präsenz.

Für die Punkte 5+6+7 würde ich die Hilfe eines Kommunikationsexperten / Social Media Eingeweihten oder Marketingler empfehlen, der eng mit der Personalabteilung zusammen arbeitet.

8. Kampagne starten (die Suche beginnt)

9. Auswertung und Tracking (Controlling-Tools im Social Media Umfeld sind komplex und noch recht neu, auch das Thema beschreibe ich bald noch in einen separaten Blogeintrag)

10.Lerneffekte Dokumentieren (LessonsLearned)

Die Punkte 8+9+10 gehören zum klassischen Kampagnen-Handwerkszeug der Marketingler und muss nur rechtzeitig mit den Ressourcen besprochen und geplant werden (am besten wenn der Jahres-Marketingplan aufgestellt wird).

Was hier zum Teil in Stichworten aufgeführt ist, klingt vielleicht leicht und trivial, doch kann das Ergebnis ein sehr komplexer unternehmerischer Prozess sein, der angestroßen wird und betreut werden muss. Falls Sie also Fragen zu einzelnen Punkten haben oder  mehr über die Thematik erfahren möchten, schreiben Sie  doch einen Kommentar. Ansonsten wünsche ich viel Erfolg bei Ihrer Recruiting 2.0 Kampagne.

Bild: Paul-Georg Meister /Pixelio
*Das PDF zur Studie kann hier heruntergeladen werden

Social Media und die ungeliebten Aufgaben

Wer nun glaubt, dass die ungeliebten Aufgaben im Bereich des digitalen Marketings primär aus betteln um Content, in 140 Zeichen Teasern oder dem denglischen Kauderwelsch bestehen, der hat sich geschnitten.

Das klassische Marketing steht vor einer noch nicht ganz offensichtlichen Revolution. Die Säulen des Marketings sind bzw. waren, unter der taktvorgebenden strategischen Komponente, die bekannten „P“s (Product, Price, Promotion und Placement). So zumindest in der Theorie. Bildlich gesprochen sollte es also so aussehen:

Die vier Säulen des Marketing

In der Unternehmenspraxis übernimmt (meist historisch gewachsen) eines der P‘s die strategische Federführung und diktiert den anderen P’s somit das Tagesgeschäft. Häufig ist es das P, welches eine besonders gewichtige Bedeutung für das Unternehmen hat (je nach Vertriebsmodell, Produktart, Preissegment etc.).

Als Teildisziplin der Promotion hat Social Media und digitales Marketing seit kurzem einen starken Fokus und viel Gehör im Management bekommen. Das führt dazu, dass diese kleine Teildisziplin zunehmend die strategische Federführung übernimmt und das nicht nur im Marketing.

Kundservice, Recruiting und Vertrieb, alle wollen dabei sein. Alle Abteilungen möchten von dieser kleinen Niesche im Marketing an die Hand genommen werden und durch das soziale Dickicht geführt werden. Das Social Media aktuell von einem Praktikanten bedient wird, ist zu vernachlässigen – wir müssen aktiv werden!

Dabei wollen Unternehmensprozesse, die schon Jahre nicht funktionieren, nebenbei noch revolutioniert und optimiert werden. Zielkonflikte müssen auf Management-Ebene ausgefochten werden, Portfoliofragen beantwortet und strategische Marschrichtungen entlang der Wertschöpfungskette definiert werden. Das alles getrieben von dem Drang eine Facebook-Seite zu eröffnen?

Kein Wunder, dass viele Unternehmen den einfachen Weg beschreiten und erst mal die Fahne auf den Sozialen Medien hissen. Wir sind jetzt da, wo ist die Fanbase?

Dann das Tal der Tränen. Nach 3 Monate nur 10 Fans (Mitarbeiter) und das nach fleißigem schreiben (2 Posts). Die Kampagne ist nicht angelaufen, Bewerber bleiben aus und kein Kunde wollte Support. Social Media funktioniert gar nicht und was ist eigentlich der ROI?

Der richtige Weg, der der zum Social Media Erfolg führt wie ihn schon einige Unternehmen feiern durften, der führt durch Management-Meetings, Prozessanalysen, Verantwortlichkeiten und vor allem dem einheitlichen Verständnis es zu wollen. Eben die ungeliebten Aufgaben 😉